Brunos Sicht
Hallo.
Ich bin Bruno.
Ich sitze auf dem Koffer. Das mache ich nicht, um im Weg zu sein.
Ich mache das, weil Koffer sonst das Gefühl bekommen, sie wären nur Gegenstände. Dabei sind sie Übergänge. Von Alltag zu Unterwegs. Von Jetzt zu Gleich.
Die Menschen nennen das Packen.
Ich nenne es Kreisen.
Jenny geht durch die Wohnung, bleibt stehen, dreht sich um, geht wieder los.
Sie schaut Dinge an, als könnten sie weglaufen, wenn man sie nicht oft genug anschaut. Ich bewundere diese Hingabe. Menschen haben eine große Verantwortung. Sie tragen Gedanken mit sich herum und versuchen, nichts zu vergessen.
Ich sitze da und denke:
Wenn man etwas wirklich braucht, fällt es einem unterwegs wieder ein.
Und wenn nicht, dann war es vielleicht gar nicht so wichtig.
Die Wanderschuhe stehen vorne. Sie wirken aufgeregt.
Ich mag das an Menschen. Sie geben sogar Dingen Gefühle. Schuhe, Koffer, Kabel. Alles bekommt Bedeutung. Nur sich selbst vergessen sie manchmal ein bisschen dabei.
Ich habe keine Schuhe.
Das ist keine Nachlässigkeit. Das ist Vertrauen.
Ich sitze still und lasse meine Gedanken schon reisen.
Ich sehe Wind, der nicht stört.
Regen, der nicht nervt.
Wege, die nicht fragen, wohin man will.
Jenny schaut mich an und lächelt.
Ich glaube, sie merkt, dass ich längst unterwegs bin.
Und vielleicht erinnert sie sich dann daran, dass Vorfreude nichts ist, was man planen muss. Sie kommt einfach, wenn man kurz innehält.
Der Koffer wird geschlossen.
Es wird still.
Das ist der Moment, in dem selbst Menschen kurz aufhören zu denken und anfangen zu fühlen.
Schottland wartet.
Und ich sitze hier, warm, ruhig und ein bisschen verträumt.
So wie man eben ist, wenn man weiß: Es wird gut.
Euer
Bruno 🐮✨