Jenny Mummert Jenny Mummert

Heute ist nicht nur mein Geburtstag, sondern auch der erste richtige Tag in Inverness.

Ein ganz normaler Morgen. Und doch nicht.

Ich bin aufgestanden und habe gefrühstückt.
So ein Frühstück, das ganz unspektakulär daherkommt. Teller. Kaffee. Besteckklappern.
Und trotzdem wusste ich schon da: Das wird kein gewöhnlicher Tag.

Geburtstag fühlt sich manchmal nach Kuchen an.
Heute fühlte es sich eher nach Innehalten an.

Windfest gemacht. Sicher ist sicher.

Bruno sitzt auf dem Bett und macht sich bereit.
Der Wind draußen ist nicht zu unterschätzen, also werden die Hörner mit einer Haarklammer gesichert.
Man will ja vorbereitet sein.

Er schaut mich an, sehr ernst.
Als wüsste er schon, dass dieser Tag mehr mit uns vorhat, als wir ahnen.

Morgen über Inverness.

Inverness liegt still im Morgenlicht.
Dächer, Schornsteine, dieser sanfte Himmel, der nichts fordert.

Alles wirkt freundlich. Fast leicht.
Noch ahnt man nicht, wie schwer der Tag werden kann.

Der Weg hinaus aus der Stadt.

Je weiter wir aus der Stadt hinausfahren, desto weiter wird die Landschaft.
Und desto stiller.

Das Moor breitet sich aus, als hätte es Zeit.
Und ich merke, wie ich langsamer werde.
Nicht müde. Wach.

16. April 1746.

Ich bleibe vor der Tafel stehen.
16. April 1746. Culloden Moor.

Hier endete der Jakobitenaufstand.
Innerhalb von weniger als einer Stunde wurden Tausende Männer getötet.
Highlander. Söhne. Väter. Brüder.

Sie kämpften für Charles Edward Stuart, für eine Hoffnung, die größer war als ihre Chancen.
Viele von ihnen schlecht ausgerüstet, erschöpft, hungrig.
Dem britischen Heer unter dem Duke of Cumberland hatten sie kaum etwas entgegenzusetzen.

Nach der Schlacht war es nicht vorbei.
Verletzte wurden verfolgt. Häuser niedergebrannt. Familien zerrissen.
Die Highlands wurden gezielt gebrochen.

Während ich das lese, merke ich, wie mir die Kehle eng wird.
Das hier ist kein fernes Kapitel aus einem Buch.
Das hier ist passiert. Genau hier.

Für alle Clans. Für alle, die hier für ihre Freiheit gestorben sind.

Hier steht kein Clanname.
Kein einzelnes Wappen.
Dieser Stein gehört allen.

Und genau hier haben mich die Gefühle überrollt.
Die Tränen liefen einfach.
Mein Herz zog sich zusammen.

Diese Männer sind nicht für Ruhm gestorben.
Nicht für Geschichten.
Sie sind für ihre Überzeugung gegangen.
Für Freiheit.
Für das, woran sie geglaubt haben.

Viele von ihnen wussten, dass sie kaum eine Chance hatten.
Und trotzdem sind sie geblieben.
Haben gekämpft.
Haben ihr Leben gegeben.

Vor diesem Stein konnte ich nicht mehr stehen wie eine Besucherin.
Ich stand da als Mensch.
Mit Respekt.
Mit Traurigkeit.
Mit Dankbarkeit.

Leanach Cottage. Im Zentrum der Schlacht von Culloden.

Leanach Cottage steht hier, als wäre nichts geschehen.
Ein schlichtes Haus. Dicke Mauern. Ein schweres Dach.

Doch genau hier tobte das Zentrum der Schlacht.
Rund um dieses Gebäude sammelten sich Kämpfe, Verwundete, Chaos.
Hier verlief die Front.
Hier wurde entschieden.

Nach der Schlacht diente das Cottage als eine Art Sammelpunkt.
Verletzte Jakobiten wurden hierher gebracht.
Viele von ihnen überlebten nicht.
Andere wurden später verfolgt und getötet.

Ich schaue das Haus an und versuche mir vorzustellen,
wie es gewesen sein muss,
wenn Schreie, Angst und Blut dort waren,
wo heute nur Wind und Gras sind.

Leanach Cottage ist kein Denkmal.
Es ist ein Zeuge.

Culloden Battlefield.

Culloden schreit nicht.
Culloden liegt einfach da.

Und genau das macht es so emotional.
Hier reicht Gänsehaut nicht aus.

Ich habe geweint.
Weil man gar nichts anderes tun kann.

Ein letzter Moment am Moor. Sonne, Eiskaffee und ein leiser Abschied.

Wir wollten noch nicht gleich gehen.
Nicht einfach umdrehen und fahren.

Also bleiben wir noch einen Moment.
Am Culloden Moor.
Mit allem, was dieser Ort mit uns gemacht hat.

Die Kälte sitzt uns noch in den Knochen.
Und die Schwere auch.
Sie hängt im Herzen.

Dann kommt die Sonne raus.
Ganz vorsichtig.
Als hätte sie Respekt.

Wir setzen uns hin.
Bruno hat einen Eiskaffee für mich geholt.

Total lieb!
Kalt und süß und völlig unpassend zu all dem,
was wir gerade gefühlt haben.

Und vielleicht ist genau das richtig.
Ein kleiner Moment Wärme.
Ein Schluck Normalität.
Nach all dem, was war.

Wir verabschieden uns still.
Nicht von Culloden.
Sondern von dem Moment.

Tagesabschluss. Schreiben. Ruhe. Inverness.

Nach Culloden braucht es keinen Trubel mehr.
Kein Feiern. Kein Programm.

Ich sitze in der Hotel-Lounge, habe den Laptop auf dem Tisch und schreibe.
Nicht, weil ich muss.
Sondern weil es raus will.

Der Tag war schwer. Emotional.
Und gleichzeitig genau richtig für einen Geburtstag.
Still werden. Spüren. Ordnen.

Neben mir ein Glas. Ruhe.
Bruno schaut vom Bildschirm aus zufrieden zurück.
Als würde er sagen:
„Gut so. Jetzt lassen wir den Tag einfach sein.“

So darf ein Geburtstag enden.

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Reiseverlauf

München - Flughafen

Flughäfen haben nachts etwas Magisches.
Alles wirkt größer, ruhiger, fast wie eine Bühne kurz vor dem ersten Akt. Schritte hallen, Gedanken auch.
Bruno stand da, mitten in dieser Weite, und wusste: Gleich wird aus Planung ein echtes Abenteuer.

Bruno ist ganz bei sich

Das ist Bruno.
Allein im Terminal, mit zerzausten Haaren und diesem Blick, der irgendwo zwischen Aufregung und „Wo sind wir hier eigentlich?“ liegt.
Er liebt Menschen zu beobachten. Wie sie eilen, warten, hoffen.
Bruno bleibt sitzen. Er weiß: Die besten Geschichten rennen nicht davon. Sie kommen von selbst.

Wir haben unseren Sitz gefunden ;)

Durch ein kleines Fenster passen manchmal die größten Träume.
Flugzeuge warten geduldig, als wüssten sie genau, wohin sie uns bringen sollen.
Bruno hat gezählt: ein Flügel, ein Koffer voller Ideen und mindestens tausend Gedanken im Kopf.

Und wir starten in den Sonnenaufgang.

Manchmal beginnt eine Reise ganz leise.
Irgendwo über den Wolken, wenn die Welt unter einem weich wird und der Himmel sich entscheidet, in Rosa und Blau zu leuchten. Kein Lärm. Kein Müssen. Nur dieses Gefühl: Jetzt geht es los.
Bruno hat kurz geschwiegen. Und das will was heißen.

Und während andere einfach nur fliegen, sammeln Bruno und ich schon die ersten Geschichten.

Nordholland - Küste

Das ist noch Europa.
Von oben wirkt alles ruhig und geordnet. Felder, Linien, Küste.
Ich schaue aus dem Flugzeugfenster und merke, wie der Abschied ganz nebenbei passiert.
Nicht bewusst. Nicht schwer.
Er ergibt sich einfach.

Hallo wildes Schottland

Irgendwann verändert sich das Bild.
Nicht plötzlich, eher schleichend.
Die Landschaft wird unruhiger, bekommt Tiefe, wirkt weniger erklärt.

Es fühlt sich an, als würde man langsam in etwas anderes hineingleiten.
Ohne Ansage.
Aber spürbar.

Inverness Castle, plötzlich warst du da.

Dann liegt es plötzlich da.
Inverness Castle, eingebettet in die Stadt.

Kein großes Willkommen.
Eher dieses stille Wissen, dass manche Orte nichts sagen müssen, um da zu sein.
Ich bleibe mit dem Blick kurz hängen.
Das reicht.

Kaffee rettet irgendwann die Welt

Ankommen ist manchmal erstaunlich unspektakulär.
Ein Bett.
Ein Kaffee.

Der Körper ist schon da, der Kopf kommt langsam hinterher.
Draußen ein anderer Himmel.
Drinnen Ruhe

Bruno müde, Bruno muss schlafen.

Bruno schläft.
Tief und friedlich, als wäre Reisen das Normalste der Welt.

Vielleicht ist genau das seine Art anzukommen.
Ohne Fragen.
Ohne Eile.

Inverness weckt Gefühle

Der Fluss zieht ruhig durch die Stadt.
Die Häuser stehen da, als hätten sie Zeit und wüssten das auch.

Ich gehe langsam.
Nicht um etwas zu sehen, sondern um hier zu sein.
Und merke, wie sich das Gefühl von Ankommen leise ausbreitet.

Vielleicht geht es nur mir so, aber diese Architektur strahlt Stärke aus.

Beeindruckende Malerein in den Bögen unterm Dach.

Am Abend geht Licht an.
Ich schau hin und mein Herz wird warm.

Ein Haus, das nichts will und trotzdem bleibt.
Ein gutes Bild für den ersten Tag.

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Start der Reise

Heute war einer dieser Tage, an denen man am Ende nicht weiß, ob man gerade eine Reise gemacht hat oder einfach nur sehr lange in Fahrzeugen gesessen ist, die alle irgendwann irgendwohin wollten nur nicht dahin, wo wir hinmussten.

Bruno und ich hatten nämlich eine Mission: Flughafenhotel.
Klingt simpel. War es nicht.

Wir hatten über zwei Stunden öffentliche Verkehrsmittel hinter uns. Züge. Umstiege. Treppen. Warten. Noch mehr Warten. Und irgendwo dazwischen ich, mit einem Koffer, der sich benimmt wie ein bockiges Pony, und Bruno, der so tut, als wäre das alles ein spannendes Abenteuer. (Er lügt. Aber charmant.)

Bruno meinte irgendwann:
„Jenny… das ist bestimmt schon Teil der Recherchereise.“
Und ich so:
„Ja Bruno. Recherche zum Thema: Wie viele Menschen passen gleichzeitig in einen Bus, wenn alle so tun, als gäbe es keine Luft.“

Ich sag’s wie’s ist: Ich habe heute mehr Gesichter gesehen als in einer ganzen Woche Kita Alltag. Und alle hatten denselben Blick: diesen „Ich will heim, aber ich bin hier“-Blick.

Trotzdem… irgendwie war’s auch schön. So ein Tag, der sich anfühlt wie das Aufklappen eines Buches. Noch ist es nur die erste Seite, ein bisschen chaotisch, ein bisschen müde, ein bisschen „Warum machen wir das eigentlich“, aber irgendwo zwischen Ticketautomat und Gleiswechsel merkt man:
Es geht los. Wirklich.

Jetzt sitzen wir im Hotel am Flughafen.
Bruno tut so, als wäre es ein Luxusresort. Er hat das Bett angeschaut, einmal tief genickt und ich schwöre, er wäre fast gerührt gewesen. Der kleine Romantiker.

Morgen früh startet der Flieger und dann beginnt sie: unsere Recherchereise.
Die richtige. Die mit Highlands Gefühl, mit Wind im Gesicht, mit Orten, die nach Geschichten riechen. Und ich glaube, genau deshalb war dieser ÖPNV Marathon heute nötig. So als kleiner Test vom Universum.

Bruno sagt:
„Wenn wir das geschafft haben, schaffen wir alles.“
Und ich sag:
„Bruno, wenn du morgen beim Boarding wieder so tust, als wärst du der Pilot, dann fliegst du im Handgepäck.“

Jetzt schlafen wir. Also… ich versuche es. Bruno plant innerlich schon, wie er morgen geschniegelt und geschniegelt am Gate sitzt, als hätte er den Flughafen gebaut.

Morgen geht’s los.
Und ich kann’s kaum glauben.

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Brunos Sicht

Hallo.
Ich bin Bruno.

Ich sitze auf dem Koffer. Das mache ich nicht, um im Weg zu sein.
Ich mache das, weil Koffer sonst das Gefühl bekommen, sie wären nur Gegenstände. Dabei sind sie Übergänge. Von Alltag zu Unterwegs. Von Jetzt zu Gleich.

Die Menschen nennen das Packen.
Ich nenne es Kreisen.

Jenny geht durch die Wohnung, bleibt stehen, dreht sich um, geht wieder los.
Sie schaut Dinge an, als könnten sie weglaufen, wenn man sie nicht oft genug anschaut. Ich bewundere diese Hingabe. Menschen haben eine große Verantwortung. Sie tragen Gedanken mit sich herum und versuchen, nichts zu vergessen.

Ich sitze da und denke:
Wenn man etwas wirklich braucht, fällt es einem unterwegs wieder ein.
Und wenn nicht, dann war es vielleicht gar nicht so wichtig.

Die Wanderschuhe stehen vorne. Sie wirken aufgeregt.
Ich mag das an Menschen. Sie geben sogar Dingen Gefühle. Schuhe, Koffer, Kabel. Alles bekommt Bedeutung. Nur sich selbst vergessen sie manchmal ein bisschen dabei.

Ich habe keine Schuhe.
Das ist keine Nachlässigkeit. Das ist Vertrauen.

Ich sitze still und lasse meine Gedanken schon reisen.
Ich sehe Wind, der nicht stört.
Regen, der nicht nervt.

Wege, die nicht fragen, wohin man will.

Jenny schaut mich an und lächelt.
Ich glaube, sie merkt, dass ich längst unterwegs bin.
Und vielleicht erinnert sie sich dann daran, dass Vorfreude nichts ist, was man planen muss. Sie kommt einfach, wenn man kurz innehält.

Der Koffer wird geschlossen.
Es wird still.
Das ist der Moment, in dem selbst Menschen kurz aufhören zu denken und anfangen zu fühlen.

Schottland wartet.
Und ich sitze hier, warm, ruhig und ein bisschen verträumt.
So wie man eben ist, wenn man weiß: Es wird gut.

Euer
Bruno 🐮✨

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Sie sind da

Meine Schuhe sind endlich da.
Und ja natürlich wurden sie erst einmal von Bruno persönlich geprüft.
Ein kurzer Blick, ein zustimmendes Nicken, Urteil gefällt: schottlandtauglich.
Wenn ein Hochlandrind das absegnet, dann ist das quasi ein TÜV mit Fell.

Nebenbei habe ich gelernt:
Alles in kleinen Flaschen kaufen ist übrigens unfassbar teuer.
Sehr teuer.
So teuer, dass man kurz überlegt, ob man nicht einfach als Naturphänomen einreist.

Aber man will ja auch zwischen Wind und Feuchtigkeit gut aussehen.
Oder es zumindest versuchen.

Bruno ist da allerdings gnadenlos ehrlich.
Er sagt, ich sehe nach fünf Minuten sowieso aus, als käme ich frisch aus der Dusche.
Regen von links, Wind von rechts, Locken kapitulieren kollektiv.

Ich ignoriere das konsequent.
Ich glaube weiterhin an Styling.
Und an wasserdichte Schuhe.

Man braucht schließlich Träume.

Und gute Sohlen. 🥾🐂✨

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Schuhe, Listen, Schottland…

Morgen startet er. Der Countdown.
Noch 14 Tage bis zur Recherchereise und ich tue so, als wäre ich ein entspannter Mensch. Spoiler: Ich bin es nicht.

Unsere Listen sind fertig. Also fast.
Ich habe mehrere Versionen und trotzdem dieses sichere Gefühl, dass ich am Ende ohne Zahnbürste dastehe. Bruno ist natürlich gelassen. Der guckt mich an, als wäre Nervosität ein Hobby für Leute mit zu wenig Fell.

Ich warte außerdem ungeduldig auf meine Schuhbestellung.
Die, die Bruno mir aufgezwungen hat. Mit Augen zwinkern. Weil Frauen lieben ja Schuhe.
Sagt Bruno. Und ich sage: Wo ist mein Paket. Ich bin inzwischen auf dem Level, auf dem man dem Lieferboten telepathische Signale sendet.

Während ich also das Tracking anstarre wie eine Netflix Serie, hat Bruno längst sein Beautyprogramm durchgezogen.
Hufe poliert. Allwetternagellack drauf. Allwetter. Für Schottland.
Ich dagegen suche noch meinen Regenschutz und hoffe, dass Optimismus wasserdicht ist.

Und weil ich gerne zusätzlich Stress sammle, will ich bis dahin mein Englisch auffrischen.
Bruno hat gelacht. So richtig.
Sein Urteil: Englisch in Schottland ist kein Englisch. Und ganz ehrlich, das ist der Moment, in dem mir klar wurde, dass diese Reise entweder grandios wird oder grandios chaotisch. Wahrscheinlich beides.

Morgen geht’s offiziell los mit dem Countdown.
Ich zähle Tage, Bruno poliert weiter und irgendwo zwischen Schuhpaket und Vokabeln wächst diese Vorfreude, die sich anfühlt wie Wind im Bauch.

Noch 14 Tage.
Dann stehen wir da. Ich mit Schulenglisch, Koffein und Hoffnung. Bruno geschniegelt, glänzend und bereit, mich im Zweifel entweder zu retten oder mich auszulachen. Wahrscheinlich beides.

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Happy New Year

Heute ist der 02.01.2026 und ab jetzt fühlt sich das Jahr an wie ein Adventskalender im Dauermodus. Jeden Tag ein neues Türchen auf, nur ohne Schokolade. Na gut, wir arbeiten dran. Die Vorfreude steigt jedenfalls so sehr, dass ich innerlich permanent dieses kleine Pling höre, wenn man eine Überraschung auspackt.

Und während ich noch so tue, als hätte ich alles total entspannt im Griff, ist Bruno schon längst im Expeditionsmodus. Der packt nämlich schon den Koffer und zwar so, wie nur Bruno das kann. Akkurat, ordentlich, mit System. Ich schwöre, bei ihm hat sogar die Zahnbürste einen festen Platz und vermutlich eine eigene Liste dazu.

Ich hab ihn erwischt. Heimlich. Wie er da saß und Listen geschrieben hat. Listen. Mehrzahl. Und nicht so Milch, Brot, gute Laune, sondern richtig professionell. Ich bin mir ziemlich sicher, er plant schon seit Wochen, inklusive Erkundungsroute, Zwischenstopps, Notfallplan und wahrscheinlich einer kleinen Präsentation mit dem Titel Operation Abenteuer.

Er ist ganz aufgeregt, so eine Mischung aus ich freu mich wie verrückt und wir müssen nur noch 37 Dinge klären, dann kann es losgehen.

Und jetzt kommt es. Bruno möchte mir auch seine Familie vorstellen. Voll süß eigentlich. Er meinte dann ganz nebenbei, als wäre das das Normalste der Welt, er kennt eine Stelle, wo seine Familie immer ein Picknick mit Delfinen macht.

Ja. Genau so hab ich auch geguckt.

Ich weiß nicht, ob ich an dieser Stelle begeistert sein soll oder vorsichtshalber schon mal lerne, wie man auf Delfinisch Entschuldigung, darf ich mich dazusetzen sagt. Aber ich lass mich sehr gern eines Besseren belehren. Vielleicht ist das ja bei Bruno völlig normal. Sonntags Kaffee, montags Wäsche, dienstags Delfin Picknick. Wer bin ich, das zu beurteilen.

Und als ob das nicht schon genug wäre, haut Bruno den Satz raus, der mein Herz kurz höher springen lässt. Er sagt, ich brauche neue Schuhe.

Jippie.

Ein Grund für neue Schuhe. Endlich. Das Universum hat gesprochen und Bruno hat es bestätigt. Was braucht man mehr im Leben als eine offizielle Erlaubnis, sich Schuhe zu kaufen. Ich sehe mich schon sehr seriös im Laden stehen und sagen, ich muss die nehmen, das ist aus Gründen. Bruno hat es gesagt.

Also ja. Das Jahr startet mit Türchengefühl, Bruno im Planungsrausch, Delfin Picknick Ankündigung und einem natürlich absolut notwendigen Schuh Upgrade. Wenn das der Auftakt ist, dann sag ich mal, 2026, ich bin bereit.

Naja. Also emotional. Praktisch muss ich noch kurz gucken, wo ich meine eigenen Listen hingelegt hab. 😄

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Recherchereise Inverness mit Bruno

Es beginnt alles mit einer Idee.

Diese Reise beginnt nicht mit einer Karte.
Sie beginnt mit Bruno. Und ja, natürlich beginnt sie mit Bruno.

Bruno ist kein Tourist. Er würde das vermutlich auch sehr entschieden von sich weisen. Er ist Einheimischer. Einer von der Sorte, die Inverness nicht erklären müssen, weil sie es einfach kennen. Er weiß, wo Wege wirklich hinführen, wo man langsamer gehen sollte und wo man besser kurz stehen bleibt, auch wenn man selbst noch glaubt, man hätte es eilig.

Am 21. Januar 2026 starten wir gemeinsam unsere Recherchereise. Ich reise, Bruno führt. Das ist keine Diskussion, das ist ein Konzept.

Inverness erzählt seine Geschichte nicht laut. Wer hier nur schaut, verpasst das Beste. Man muss hinhören, hinspüren und manchmal auch einfach akzeptieren, dass nicht alles sofort Sinn ergibt. Bruno weiß das. Er kennt Orte, an denen Geschichte nicht erklärt wird, sondern einfach da ist. Im Boden unter den Füßen, im Wind, der gelegentlich mehr Meinung hat als ein Reiseführer, und in der Stille, die plötzlich sehr präsent sein kann.

Bruno zeigt mir keine Sehenswürdigkeiten im klassischen Sinn. Er zeigt mir Erinnerungen. Wege, die früher gegangen wurden. Mauern, die eindeutig schon mehr Drama gesehen haben, als sie zugeben würden. Manchmal bleibt er einfach stehen. Dann sagt er nichts. Und genau dann merke ich, dass genau das der Moment ist, den man nicht verpassen sollte.

Er kennt die Geschichten hinter den Orten. Die historischen Zusammenhänge, die kleinen Details, die man übersieht, wenn man zu schnell weiterläuft oder glaubt, alles bereits zu wissen. Nicht als trockene Daten und Jahreszahlen, sondern als Gefühl. Als Ahnung. Als dieses leise Wissen, dass Inverness weit mehr ist als eine hübsche Stadt am Fluss, auch wenn sie das nebenbei ebenfalls ziemlich gut kann.

Diese Recherchereise ist kein klassischer Trip. Sie ist ein Eintauchen, ein Beobachten, ein Zuhören. Bruno zeigt mir seine Heimat so, wie man sie nur zeigt, wenn man sie wirklich liebt. Ehrlich, ohne Pathos, mit dem richtigen Maß an Ruhe und genau dem passenden Moment für ein trockenes inneres Grinsen.

Und vielleicht ist genau das der Anfang von allem. Oder zumindest von etwas sehr Gutem.

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